HAMMERSCHMIEDE

Dauerausstellung

Der Besucher, der heute die Hammerschmiede in Naichen betritt, gewinnt den Eindruck, es sei gerade Pause:
Die Schmiede ist mit allen Werkzeugen, Maschinen und sonstigen Gegenständen so eingerichtet, wie sie zuletzt in Gebrauch war. Und in der Tat, von der alten Turbine über die Transmissionsanlage bis hin zu den einzelnen Maschinen, das gesamte Inventar ist noch voll funktionsfähig und kann bei Führungen und Vorführungen in Betrieb gesetzt werden.

Besucher, die am 1. oder 3. Sonntag im Monat nach Naichen kommen oder Gruppen, die sich vorangemeldet haben, können in den Genuss einer Schmiedevorführung kommen. (zur Terminübersicht)

Neben der alten Turbinenanlage von 1922 betreibt der Bezirk Schwaben heute in Naichen eine moderne Wasserkraftanlage zur Stromerzeugung, die bei guter Auslastung bis zu 42 KW ins Stromnetz einspeist.

Michael Kleiner, der erste Hammerschmied, baute 1839 nicht zufällig direkt an der Kammel. Er und die folgenden drei Generationen der Familie Stocker nutzten diese natürliche Energiequelle. Ein hölzernes Wehr staute das Wasser und korrigierte die wechselnde Wasserführung der Kammel. Das Wasser wurde in einen Werkskanal gespeist und trieb bis 1922 drei hölzerne Wasserräder für Schmiedehammer, Blasebalg und Schleifstein an.

1924 konnte der Schmied eine gebrauchte Turbine (Baujahr 1889, Maschinenfabrik J.E. Earnshaw, Nürnberg) erwerben und sie anstelle der Wasserräder einbauen. Die Turbine wandelt die Fließbewegung des Wassers in eine Drehbewegung um, und eine ausgeklügelte Transmissionsanlage überträgt die Bewegung auf die Arbeitsmaschinen der Schmiede. Der mächtige Krafthammer - er gibt der Schmiede den Namen - benötigt die meiste Energie. Bis zu 200mal pro Minute kann er auf ein glühendes Werkstück niederfahren.

Bereits 1922, nachdem die Hammerschmiede abgebrannt und wieder aufgebaut worden war, ersetzte Serafin Stocker sen. die ursprüngliche Nockenwelle, die drei Schmiedehämmer antrieb, durch eine Transmissionsanlage. Die Anlage ist noch voll funktionsfähig und damit eine technikgeschichtliche Rarität. Diese Kraftübertragungsanlage trieb außer dem neu erworbenen modernen Blattfederhammer weitere Maschinen an: das Gebläse für die Esse, eine Bügelsäge, eine Warmsäge, eine Säulenbohrmaschine, den Schleifstein, Schmirgelscheiben, eine Drehbank, einen Kompressor und eine Kreissäge.

Im Schmiederaum befindet sich gegenüber dem Krafthammer die rußgeschwärzte Esse mit der Feuerstelle. Vor der Esse stehen zwei schwere Ambosse. Bei Vorführungen an Sonntagen demonstrieren Schmiede ihre Kunst und lassen sich dabei über die Schulter schauen, wenn sie das glühende Eisen am Amboss bearbeiten. Wie in früherer Zeit entstehen Nägel, Ketten, Haken und anderes mehr.

Bei der Arbeit mit dem Feuer und dem glühenden Eisen wird die Arbeitswelt von Serafin Stocker jun. (1900-1982) wieder lebendig. Stocker, der die Schmiede 1932 übernahm und sie weitgehend unverändert beließ, stellte land- und forstwirtschaftliche Geräte her wie Hauen, Rindenschäler, Schaufeln, Äxte usw. Produkte aus seiner Werkstatt sind im Obergeschoß des Schmiedegebäudes im ehemaligen Lagerraum zu sehen.

Mit Hilfe eines Generators, der ebenfalls an die Transmissionsanlage angeschlossen war, erzeugten die Schmiedeleute auch Strom für Beleuchtungs- und Beheizungszwecke in der Wohnung. Heute nutzt der Bezirk Schwaben die durch ein automatisches, pneumatisches Wehr regulierte Kraft der Kammel, um in einem modernen Kleinkraftwerk umweltfreundlich Strom für den Museumsbedarf zu produzieren.